Seetal-Lindenberg
11.10.2017

Hier kam keiner ungeschoren davon

Vorher ...... während ...... nachher: Schafschur in HallwilGrossandrang: In der «Schöfeler-Beiz» gibts Kartoffelsalat, Fleisch vom Grill und weitere Leckereien.

Vorher ...

... während ...

... nachher: Schafschur in Hallwil

Grossandrang: In der «Schöfeler-Beiz» gibts Kartoffelsalat, Fleisch vom Grill und weitere Leckereien.

Unter grossem Publikumsandrang wurden am vergangenen Samstag bei schönstem Herbstwetter in Hallwil rund 500 Schafe von drei Profi-Schafscherern geschoren.

Andreas Walker (Text und Fotos)

Viele Landwirte brachten nach ei-nem gut organisierten Tagesplan ihre Schafe zum Brunner-Bauernhof im Krummacher in Hallwil zur Schur. Die drei Profi-Schafscherer Andy Fuchs aus Weinfelden TG, Huw Condron aus Wales (Grossbritannien) und John Buchaman aus Wexford (Irland) legten wie üblich ein schnelles Tempo hin. Somit dauerte es maximal drei Minuten, bis ein Schaf geschoren war.

Die Schafscherer beherrschen ihr Handwerk hervorragend und haben auch schon an den legendären Schafschurwettbewerben in Neuseeland und anderen Ländern teilgenommen.

Die Schafschuren in Hallwil sind mittlerweile zur Tradition geworden. Wenn die Schaulustigen genug gesehen haben, können sie sich in der Schöfelerbeiz gleich nebenan mit reichhaltigen Leckereien verpflegen.

Verwertung der Schafwolle

Früher war die Schafwolle noch ein sehr begehrter Rohstoff. Während des Krieges durften die Halter von Schafen lediglich ein Kilogramm Wolle zum Eigenbedarf behalten, den Rest mussten sie für die Herstellung von Tuch zur Fabrikation von Militäruniformen und Wolldecken abgeben. 1950 erhielt man etwa Fr. 7.50 pro Kilo Wolle. Würde man in diesen Preis die Teuerung hinzuberechnen, entspräche dies einem heutigen Marktpreis von etwa 35 Franken pro Kilo Schafwolle.

Das normale Hausschaf liefert je nach Grösse 3 bis 6 Kilogramm Wolle pro Schur. Damit fallen auch bei der Schafschur in Hallwil Berge von Wolle an. Allerdings lässt sich damit längstens kein lukratives Geschäft mehr machen. Hansruedi Brunner erklärt, wie es früher war: «Mitte der 1970er-Jahre konnte man noch ein Kilo Schafwolle für 8 Franken verkaufen. Damit konnte ich die Transportkosten und die Kosten der Schafscherer decken.»

Danach wurde für das Kilogramm Wolle immer weniger bezahlt. Neue Textilien aus Kunststoff lösten die Wolle ab und schliesslich wurde das einst begehrte Produkt der Schafe nicht mehr gebraucht, was dazu führte, dass der Wollpreis im freien Fall gegen null tendierte. Dies führte schliesslich dazu, dass Hansruedi Brunner einige Jahre die Wolle als Dünger auf den Feldern verwertete.

Heute bekommt er wieder etwas mehr als 20 Rappen pro Kilogramm von der Firma Fiwo in Bischofszell. Dort wird die Schafwolle zum Teil als Füllmaterial für Duvets gebraucht, vor allem jedoch zu Isolationsmaterial für das Baugewerbe verarbeitet.