Region
06.09.2017

«Tschüss» Hexenmuseum Schweiz

Wicca Meier-Spring schliesst ab: Für die Besucher war das Hexenmuseum Schweiz am Sonntag in Auenstein zum letzten Mal geöffnet. Das Museum zieht auf das Schloss Liebegg. Foto: Melanie Solloso

Wicca Meier-Spring schliesst ab: Für die Besucher war das Hexenmuseum Schweiz am Sonntag in Auenstein zum letzten Mal geöffnet. Das Museum zieht auf das Schloss Liebegg. Foto: Melanie Solloso

Am Sonntag schloss das Hexenmuseum Schweiz in Auenstein seine Tore. Vor dem grossen Umzug wollten sich über 200 Besucher noch einmal auf eine Reise in die Welt der Mystik, des Aberglaubens und der Magie begeben.

Melanie Solloso

Seit gut acht Jahren informiert das Hexenmuseum Schweiz in Auenstein Interessierte über Wissenswertes rund ums Thema «Hexen» — von der Geschichte über die Mystik bis hin zum Brauchtum. Aber auch Sonderanlässe mit Attraktionen wie Hexenbesen- schaffen, Handlesen, Märkte mit mystischem Kunsthandwerk oder Geschichten, Orakel und Brauchtum am Feuer standen in Auenstein immer wieder auf dem Programm. Am vergangenen Sonntag versprühte das Hexenmuseum im 1500-Seelen-Dorf zum letzten Mal sein magisches Ambiente.

Auf die kommende Saison, mit Start im März, zieht das Hexenmuseum Schweiz in ein kantonales, historisches Gebäude — auf das Schloss Liebegg. Damit verliert die Region ein gut besuchtes und in seiner Art in Europa einzigartiges Museum.

3500 Besucher in dieser Saison

Vergangenes Jahr lockte das Hexenmuseum 2800 Besucher nach Auenstein. Und für 2017 stehen die Zahlen seit Montag nun ebenfalls offiziell fest. 2673 Besucher, während 42 offenen Nachmittagen oder Abenden zählte Gründerin und Museumsleiterin Wicca Meier-Spring für diese Saison. Bereits am Sonntag vor dem letzten Tag in Auenstein verzeichnete Meier-Spring über 100 Besucher, am letzten Tag wollten sich über 200 Besucher noch einmal in Auenstein auf eine Reise zu traditionellem Wissen, abstrusen Heilmethoden und in die Welt des Aberglaubens und der Magie begeben.

Pläne schmieden seit 2015

Erst vor eineinhalb Jahren wurde das Museum mit einem neuen Anbau um ganze 70 Quadratmeter vergrössert. Warum also nach einer grossen Investition grad wieder umziehen? Mehr stecke nicht dahinter, sagt Meier-Spring, als dass die lang gehegten Pläne, an einen Ort mit Laufpublikum zu ziehen, nun endlich konkret wurden. Mit dem Schloss Liebegg führt die Museumsleiterin laut eigenen Angaben bereits seit zwei Jahren Gespräche für einen allfälligen Umzug.

Dass die Zusammenarbeit nun konkrete Züge annimmt, freut sie. «Es ist ein Gewinn für beide Seiten — das Schloss und das Museum.» Bis anhin war das Schloss Liebegg für Besucher nicht zugänglich, mit dem Hexenmuseum ändert sich dies. Wer ins Hexenmuseum geht, darf damit auch einen Teil der Räumlichkeiten im Schloss entdecken.

Auf dem Schloss Liebegg erwartet das Museum eine ganze Etage mit sieben Zimmern, um sich zu entfalten. Im Diesbachhaus im 1. Stock wird sich das Hexenmuseum während der Saisonpause nun häuslich einrichten. Inhaltlich soll die Ausstellung vorerst gleich bleiben, verspricht Meier-Spring. Auch ein Kräutergarten ist wieder mit von der Partie. Die Präsentation der Exponate wird jedoch grundlegend anders werden – auch schon aufgrund der nun unter Denkmalschutz stehenden Räumlichkeiten. «Nägel in die Wände einschlagen geht jetzt nicht mehr», veranschaulicht die Museumsleiterin. Am neuen Ort steht dem Museum ungefähr gleich viel Platz zur Verfügung wie bis anhin. Klarer Vorteil seien aber das Laufpublikum und bessere Verkehrsverbindungen mit den öV», so Meier-Spring.

Die 49-Jährige bezeichnet sich selbst als Hexe. Eine Hexe auf einem Schloss? Passt das überhaupt? «Eine Prinzessin wollte ich nie sein. Dann schon eher ein Schlossgeist», sagt Meier-Spring auf die Frage und lacht. Normalerweise würden Hexen und Schlösser nur mit Folterkammern in Verbindung gebracht. Die Lieb-egg habe aber mit Folter historisch nichts am Hut. «Es ist schon eher ein Liebesschloss.» Auch aufgrund der positiven Energie auf der Liebegg passe das Hexenmuseum ins Schloss. «Die Liebegg ist ein Kraftort, unser Museum hat auch gute Energie, das passt.»

Vorfreude und Wehmut

Auf den neuen Ort freut sich Meier-Spring. Trotzdem sei es schade, dass die Zeit in Auenstein nun vorbei ist. «Acht Jahre waren wir hier. Es war schön in Auenstein.» Am meisten vermissen werde sie die Nachbarn und den Weiher. «Die Libellen, der Weg über die Brücke, bevor man das Museum aufmacht, das war schön, wie eine Reise in eine andere Welt», sagt Meier-Spring hörbar wehmütig. Ende Monat wird sie diese Reise zum letzten Mal machen, wenn das Museum leer geräumt ist und sie den Schlüssel dem Vermieter zurückgeben wird.

Viel Zeit für Wehmut wird der Hexe aber nicht bleiben. Statt das Museum kurzerhand komplett auf die Liebegg zu hexen, geht der Umzug auch im Hexenmuseum sehr logistisch zu und her und will organisiert sein.

Alle Exponate müssen erst einmal sorgfältig eingepackt, die Schachteln beschriftet und zwischengelagert werden, bis sie im Januar 2018 in der Liebegg wieder ausgepackt und für die Ausstellung arrangiert werden können. Pünktlich zum Saisonstart, am 25. März 2018, soll dann das Hexenmuseum Schweiz am neuen Ort wiedereröffnen.

Wer nicht so lange warten möchte, kann den Museums-Shop besuchen. Dieser wird nämlich bereits ab Oktober 2017 an ausgewählten Tagen auf dem Schloss geöffnet sein.

Weitere Infos unter www.hexenmuseum.ch