Im Gespräch
13.09.2017

Ein Jahr gegen das Vergessen der Mundartdichterin Sophie Hämmerli-Marti

Vorlesen eigener Gedichte: Mundartdichterin Sophie Haemmerli-Marti und ihre vier Töchter. Foto: Stadtarchiv Lenzburg

Vorlesen eigener Gedichte: Mundartdichterin Sophie Haemmerli-Marti und ihre vier Töchter. Foto: Stadtarchiv Lenzburg

Die am 18. Februar 1868 in Othmarsingen geborene und später in Lenzburg lebende Mundartdichterin Sophie Haemmerli-Marti soll zum 150. Geburtstag mit vielen Anlässen gefeiert werden.

Fritz Thut

Sophie Haemmerli-Marti wurde mit ihren Kinder- und Muttergedichten im 19. und 20. Jahrhundert zur bekanntesten Autorin von Aargauer Mundart-Werken.

Die vielschichtige Frau, die etwa mit «Eusi zwöi Chätzli» (siehe unten rechts) veritable Evergreens geschaffen hat, steht im nächsten Jahr im Zentrum einer Veranstaltungsreihe, die dazu beitragen soll, dass ihr Leben und Werk nicht vergessen wird, wie an einer Pressekonferenz betont wurde.

Bauerntochter und Arztgattin

Der ehemalige Lenzburger Stadtschreiber Christoph Moser ist ein ebenso versierter Kenner wie enthusiastischer Schwärmer des Wirkens von Sophie Haemmerli-Marti. Für ihn ist sie viel mehr als eine bewegende Dichterin: «Sie war eine Frau, die sich Zeit ihres Lebens für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung eingesetzt hat.»

Dies hängt sicher mit ihrer Biografie zusammen. Sie kam in Othmarsingen als Tochter des Bauern, Bezirksamtmanns und Grossrats Franz Marti zur Welt. Die spätere Lehrerin hatte früh Kontakt mit der Familie Wedekind auf Schloss Lenzburg, was ihr offensichtlich eine gewisse Weltoffenheit vermittelte.

Als der Arzt Max Haemmerli nach einem Reitunfall ihren Vater pflegte, kamen sie sich näher, heirateten und zogen zusammen vier Kinder, allesamt Mädchen, gross. Für sie schrieb sie mehrere hundert Kindergedichte – alle in Aargauer Mundart.

Der Unfalltod ihres Gatten – er wurde auf der Autofahrt nach Aarau vom Zug erfasst – verstärkte die depressiven Phasen von Sophie Haemmerli-Marti. Vor allem im Schreiben verarbeitete sie ihren Schwermut, in späteren Jahren vermehrt in Prosastücken.

Einbezug von Othmarsingen

Dieser vom Leben oft geprüften Frau, die mit ihren Werken Freude verbreitet, aber auch zum Nachdenken angeregt hat, soll mit «Hundertfüfzg Johr – Sophie Haemmerli-Marti» im Jahr 2018 ein lebendes Denkmal errichtet werden. Angestossen von Urs F. Meier, dem Stiftungsratspräsidenten des Museums Burghalde, ist ein Projektteam unter der Leitung von Marianne Horner seit einiger Zeit am Vorbereiten des Jubiläumsjahres.

Gestartet werden die Feierlichkeiten am 18. Februar 2018, exakt 150 Jahre nach der Geburt von Sophie Haemmerli-Marti, mit einer Feier im Alten Gemeindesaal in Lenzburg. Neben der Würdigung der Dichterin durch Christoph Moser singen hier etwa 50 Schulkinder aus Lenzburg und Othmarsingen Lieder mit Texten der Jubilarin.

Der Geburtsort Othmarsingen wird fleissig ins Programm einbezogen, etwa mit einem Literaturkafi am 22. März oder der Montage einer Informations- stele beim Geburtshaus.

Ein Projekt des Museums Burghalde verspricht besonders spannend zu werden: Laut Museumsleiterin Christine von Arx geht eine ehemalige Telefonkabine der alten Lenzburger Post als «Poesie-Kabine» während zehn Monaten auf Reise durch Othmarsingen und Lenzburger Quartiere. Am Telefonhörer kann Liedern und Gedichten gelauscht werden.

Diverse Konzerte, Lesungen und Theatervorstellungen sowie Literaturspaziergänge im Juni und September runden das umfangreiche Programm ab. «Uns ist die Nachhaltigkeit des Jahres wichtig; nicht, dass alles schnell verpufft», so Projektleiterin Marianne Horner.